Letzten Dienstag war ich im kleinen Saal des Konzerthauses zu Gast: Daniel Müller-Schott am Violoncello wurde begleitet von der Pianistin Annika Treutler, die für den erkrankten Nicholas Angelich eingesprungen war. Auf dem Programm standen die Fantasiestücke op. 73 von Robert Schumann, die Cellosonate d-Moll op. 40 vom Dmitri Schostakowitsch und die Sonate F-Dur op. 99 von Johannes Brahms. Die Veränderung der Besetzung brachte auch eine Programmänderung mit sich, die mir entgegenkam, denn statt Schostakowitsch stand ursprünglich ein Werk von Benjamin Britten auf dem Programm.

Schumann eröffnete das Konzert. Eigentlich für Klarinette und Klavier gedacht, erklangen hier die Fantasiestücke in der Alternativbesetzung mit Cello. Ich kenne das Original nicht, aber diese Fassung war die reine Freude. Gleich zu Beginn fiel mir der unfassbar schöne, samtig-weiche, warme Ton des Cellos auf. Hier stimmte alles: Das Stück, das Spiel des Solisten und sein Instrument in perfekter Harmonie. Die Fantasiestücke endeten überraschend furios, das Publikum reagierte entsprechend begeistert mit stürmischem Applaus.

Es folgte die eher frühe Cellosonate von Schostakowitsch. Das Werk ist verhältnismäßig klassisch komponiert; man kommt eine Weile nicht auf die Idee, dass das Stück erst 1934 entstanden ist. Das später häufig anzutreffende verzweifelte, fast morbide Element, der beißende Sarkasmus des Schostakowitsch fehlt noch, so dass man es hier mit einem eher leichten, gut zugänglichen Werk zu tun hat.

Die F-Dur-Sonate von Brahms beschloss den offiziellen Teil des Programms. Es ist ein großes, viersätziges Werk, das seine eigene Konzerthälfte verdient gehabt hätte – wenn es ein Abend mit Pause gewesen wäre. Ein stürmisches Allegro vivace eröffnet das Werk, dessen Hauptthema den Dreivierteltakt so geschickt verschleiert (kaum eine 1, die nicht eine Pause oder überbunden ist), dass man sich zwangsläufig dem leidenschaftlichen Klangstrom hingibt. Der zweite Satz ist ein originelles Adagio affettuoso in Fis-Dur (!). Man würde vielleicht eine Cellokantilene erwarten, aber es beginnt erst einmal pizzicato mit einer Sechzehntelkette zu vollgriffigen Akkorden im Klavier. Nach vier Takten darf aber das Cello dann singen… Die Anfangsidee kehrt jedoch mehrfach wieder und wird z. B. in der Reprise auch erheblich erweitert. Es folgt ein Scherzo in f-Moll: Durchgehende Achtel in dem schnellen 6/8-Takt erzeugen wiederum eine stürmische, hastige Stimmung. Der Finalsatz führt dann nach F-Dur zurück und beschließt das Werk kraftvoll, was die Interpreten sehr temperamentvoll umzusetzen verstanden.

Es gab zwei Zugaben: Als erstes erklang ein Tango von Astor Piazzolla, anschließend noch »Asturiana«, eines der »7 Canciones popolares Españolas« von Manuel de Falla. Müller-Schott erwähnte in seiner Anmoderation, wie sehr er und seine Duopartnerin es genießen, wieder vor Publikum zu spielen. Die Freude über das Wieder-auftreten-Dürfen war den ganzen Abend spürbar, und dieser Elan hat sicher mit dazu beigetragen, den Abend für alle zu einem erhebenden Erlebnis zu machen.

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