Letzten Freitag fand das Eröffnungskonzert des diesjährigen Festivals »Young Euro Classic« im Konzerthaus statt. Es spielte das National Youth Orchestra of the USA unter Daniel Harding. Ich war da.
Die altbekannte Festivalhymne von Iván Fischer eröffnete den Abend. Etwas ungewohnt klang sie, denn über weite Strecken des kurzen Stückes schien die melodieführende Trompete zu fehlen. Kein Drama, so etwas passiert schon mal in der Aufregung. Es folgten zwei Grußworte von der Schirmherrin des Festivals Franziska Giffey und von Willi Steul, dem Vorsitzenden des Deutschen Freundeskreises europäischer Jugendorchester e.V.

Dann begann das Konzertprogramm. Vor der Pause erklang das Cellokonzert in e-Moll op. 85 von Edward Elgar. Ein tieftrauriges Stück, das einen brillanten Solisten erfordert, aber dennoch kein Virtuosenkonzert ist. Alisa Weilerstein mache hier eine sehr gute Figur, sie spielte souverän und leidenschaftlich mit der dem Stück angemessenen tragischen Grundhaltung. Das Orchester hingegen – übrigens originell uniformiert in roten Hosen, mit schwarzem Jackett und weißem Hemd – schien doch ziemlich gefordert zu sein. Manches wirkte unsicher, etwas wackelig, so dass ich das Gefühl hatte, dass dieses Werk die jungen Leute an ihre Leistungsgrenze führt. Das ist nicht verwunderlich und auch keine Kritik, immerhin spielten hier Jugendliche, aber einen Unterschied zu den oft tadellosen Aufführungen anderer Jugendorchester gab es eben doch.

Dieser machte sich nach der Pause um so stärker bemerkbar. Das Orchester spielte die 5. Symphonie von Gustav Mahler (hier im Programmheft richtigerweise ohne Nennung einer Tonart – Mahler war dagegen, dass man sagt, die Symphonie stünde in cis-Moll). Schon der Beginn erwies sich als heikel: Die Solotrompete hat die Symphonie mit einer Fanfare zu eröffnen, und das klappte leider nicht so gut… Der arme Trompeter tat mir etwas leid, denn wahrscheinlich hatte er die Stelle eigentlich spielen können. Vielleicht war es die Aufregung (Festivaleröffnung, voller Saal in einem fremden Land…)?
Im Laufe der Symphonie gewann ich dann wiederum den Eindruck, dass das Stück für die jungen Musiker einfach etwas zu schwer war. Die Töne waren größtenteils alle da, aber es fehlte etwas an dynamischer Dosierung, Balance, evtl. Artikulation, die das Ganze durchhörbar gemacht hätte. Die 5. Mahler ist voll von orchestralem Kontrapunkt; das wird zu Brei, wenn man den Klang nicht genau reguliert. Daniel Harding wird das können, und ich traue auch dem Orchester zu, dass es in den Proben besser geklappt hat. Nur im Konzert war das leider nicht der Fall.
Dass wir es mit einem jungen (unerfahrenen) Klangkörper zu tun hatten, merkte man auch an den Übergängen. Das habe ich bisher organischer gehört. Zum Teil gab es Atempausen an etwas fragwürdigen Stellen, die wahrscheinlich die Notlösung darstellten, damit das Orchester danach gemeinsam weiterspielt. Zumindest hatte ich mitunter den Eindruck, dass der Grund für diese Interpretation kein musikalischer war.
Der mit Abstand beste Satz war das Adagietto: Hier war kein Blech und kein Schlagwerk zu laut, es gab kaum Kontrapunktik zu modellieren, und die Streicher machten ihre Sache wirklich gut.

Der Abend endete mit einer Zugabe: einer kleinen Suite aus der Filmmusik zu »E.T.«. Hier konnten die jungen Musiker frei aufspielen, und man hörte auch, dass die Spannung abgefallen war. Stehende Ovationen belohnten die Darbietung. Das erste Konzert nach langer Zeit entließ uns zufrieden in den Abend und gab uns eine Erkenntnis mit: »Young Euro Classic« sind nicht nur perfekt ausgefeilte Aufführungen, sondern auch jene, die noch etwas Arbeit vertragen. Dass hier junge Musiker am Beginn ihres Weges in einem historischen Saal einer Weltmetropole ein großes Konzert geben können, ist genau der Sinn des Festivals.

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