Vor elf Jahren war das Symphonieorchester der Musikakademie Ljubljana zuletzt bei Young Euro Classic. Gestern kehrten sie zurück und brachten ein sehr interessantes Programm mit.

Klaus Lederer, der Pate des Abends und Berliner Kultursenator, erzählte in seiner Einführung leider wenig, was man nicht im Programmheft hätte lesen können, fand aber lobende und anerkennende Worte für die jungen Musiker auf der Bühne. Das eigentliche Programm begann dann sehr schwungvoll mit einem symphonischen Walzer des 24-jährigen Leon Firšt. Das Stück gehört zu einer Suite, die gerade im Entstehen ist und seine Perspektive der Standardtänze abbildet. Die Musik ist äußerst kraftvoll, voller Effekte – man hört deutlich, dass sich ein noch junger Komponist nach allen Regeln der Kunst »austobt« mit dem, was der Orchesterapparat hergibt. Das Ergebnis ist unterhaltsam, Tiefgang erwartet man wohl bei einem Walzer auch eher nicht. Unterm Strich ein toller Auftakt in den Konzertabend.

Es folgte das Klavierkonzert a-Moll op. 54 von Robert Schumann. Ein Werk, das ich vor langer Zeit sehr mochte, aber fast ebenso lange auch nicht mehr gehört hatte. So freute ich mich auf die »Wiederentdeckung« mit dem Solisten Urban Stanič, der nicht nur am Flügel herausragendes leistet, sondern auch zweimal nationaler Meister im Fach Mathematik wurde, fünfmal im Fach Logik, und sogar als Schachmeister zu nationalen Ehren kam.
Der erste Satz des Konzerts ist voller romantischer Schönheiten, schwungvoll, schwelgerisch, gesanglich, dazu die perlenden Klavierklänge. Ich wusste wieder, warum das Werk damals zu meinen Lieblingen gehörte. Schumann wollte ursprünglich ein einsätziges Konzertstück schreiben (wahrscheinlich war das im Publikum bekannt, denn nach dem Kopfsatz setze ein veritabler Applaus ein…), wurde aber überzeugt, doch noch zwei Sätze zu komponieren, also ein dreisätziges Werk abzuliefern. Das Intermezzo ist kurz und freundlich und leitet direkt ins Finale über. Hier hatte ich seltsamerweise das Gefühl von Längen; womöglich zum Teil meiner hitzebedingten Müdigkeit geschuldet, aber für mein Empfingen hätten die Musiker auch noch etwas mehr Feuer geben können. Dennoch ist das Konzert ein wunderschönes Stück Musik, und die Interpreten wurden gebührend vom Publikum gefeiert. Die Zugabe: Schumanns »Träumerei«, ein bezauberndes Understatement des jungen Solisten.

Nach der Pause erklang die symphonische Dichtung »Also sprach Zarathustra« op. 30 von Richard Strauss. Nachdem ich am Wochenende bereits »Don Quixote« gehört hatte, war ich gespannt auf den Vergleich – und wurde nicht enttäuscht. Abgesehen davon, dass ich die Einleitung (die bekannte Sequenz aus Kubricks »2001«) wesentlich langsamer empfinde, hat mir der Zarathustra deutlich besser gefallen als Quixote. Ich glaube, das hat zwei Gründe: 1. ist das Werk mit gut 30 min. deutlich kürzer und 2. ist das Programm viel abstrakter als das des Quixote. Es ist also weniger nötig, den Programmnotizen folgen zu können, infolge dessen erhält die Musik als solche ein höheres Gewicht als ihre Deutung. Straussens Stil ist in beiden Werken ähnlich, aber ich habe den Zarathustra über weite Strecken als absolute Musik gehört und sehr genossen: die komplizierte Polyphonie, die originellen Orchesterfarben, die spätromantischen Klangmassen inkl. Orgel (von der man nach der Einleitung leider nur wenig gehört hat). Meines Erachtens sollte Programm-Musik auch dann noch tragen, wenn man das Programm nicht kennt bzw. ignoriert. Das klappt für mich bei Zarathustra besser als bei Quixote.

So lang das letzte Konzertprogramm, so kurz war dieses. Vor 22h war das Konzert beendet, und es gab auch keine Zugabe. Was nicht schlimm ist, denn schon heute Abend werde ich wieder im Konzertsaal sitzen…

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