Am Montagabend hatte ich die große Freude, in der Bar jeder Vernunft das Soloprogramm »Aufgeräumt« von Lo Malinke zu sehen. Nachdem das Duo Malediva bedingt durch die Krankheit seines Mannes Tetta Müller bedauerlicherweise nicht mehr existiert, hatte ich mich nun monatelang darauf gefreut, immerhin die Hälfte des beliebten Kleinkunstduos nochmal auf der Bühne zu erleben.

Das kleine Veranstaltungszelt ist brechend voll, die Kellner turnen zwischen den Tischen und Stühlen, um Getränke und Speisen zu bringen. Auf der Bühne nur ein Barhocker und ein Mikrofonständer. Lo betritt die Bühne: warmherziger Applaus, und er freut sich über die vielen bekannten Gesichter. Er beginnt zu erzählen, warum das Programm so heißt, wie es heißt, von seinem Flug nach Berlin – aber all das gehört wohl noch nicht zum Programm (»Es hat noch nicht angefangen…!«), oder zumindest sollen wir das glauben. Er erzählt von Yvonne, dem Mädchen mit Down-Syndrom, das neben ihm im Flieger saß, und wie herzig und großartig er sie findet und wieviel er von ihr gelernt habe. Den ersten großen Lacher des Abends gibt es dann, als er einer Dame in der ersten Reihe seine Kapitelliste gibt (falls er vergisst, wie es weitergeht). Nach ihrem Namen gefragt, antwortet sie »Yvonne«! Der Saal tobt, damit hat niemand gerechnet…
Schließlich beginnt der »offizielle« Teil des Programms, erstes Thema: seine Eltern. Lo erzählt sehr persönlich, anrührend, in der bekannt lakonisch-witzigen Art von dem Familienleben in seiner Kindheit und seinem Outing. Später geht es auch um sehr tragische Themen wie den Tod des Vaters oder die schweren Krankheiten seines Mannes, aber auch um Umzüge, Haustiere, ums Kochen, Einkaufen und um Streitereien – also eigentlich um alles. Besonders liebevoll erzählt er dabei von seinem Mann, und immer wieder kommt er auch auf die schwierige Beziehung zu seiner Familie zurück, und auf sein wütendes inneres Kind, um das er sich schließlich kümmert. Lo plaudert so dahin, es entsteht – noch mehr als in den Duoprogrammen – der Eindruck, dass er wahrhaftig aus seinem Leben erzählt. Ich kann nicht einschätzen, wie viel der Inhalte autobiografisch und wie viel dazu-erfunden ist, aber es wirkt alles authentisch, und das macht ihn so nahbar. Es entsteht eine Art intimer Zauber, man möchte immer weiter zuhören.
Das altbewährte Showkonzept von Malediva wird beibehalten, es gibt also zwischendurch immer wieder Lieder aus der Feder von Florian Ludewig zu hören, die oft wehmütig bis melancholisch sind und von Trauer, Abschied oder vergehender Liebe handeln. In den Refrains hört man eine zweite Stimme vom Band; teilweise habe ich den Eindruck, es ist die von Tetta, aber es kann gut sein, dass ich mich täusche. Die Kompositionen und Texte strahlen dabei immer eine Art traurige Schönheit (oder schöne Traurigkeit?) aus, die auch den Liedern von Malediva eigen war.
Das Programm endet mit dem bekannten Lied »Fast schon das Meer sehen« als Reverenz an die gemeinsamen Zeiten auf der Bühne. Das macht es noch schöner und noch trauriger, denn die alten Zeiten sind ja vorbei, und doch ist es schön zu wissen, dass es Tetta jetzt wieder gut geht.

Insgesamt hat mich dieser Abend sehr glücklich gemacht und mit großer Dankbarkeit erfüllt, letzten Endes durch die zentrale Botschaft des Programms: Wer liebt, kann alles schaffen und auch die großen Krisen des Lebens meistern. Am Ende habe ich Tränen der Rührung in den Augen, greife nach der Hand des tollen Mannes neben mir und freue mich über das Leben und alles, was ich habe.

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